26.01.10

Zeitungs-Hohmpejtschn

Von den vielen hundert Zeitungen, die es auf der Welt gibt, habe ich mir von fünfen die entsprechende Homepage [!] in die Schnellzugriffsleiste gelegt. Da wären der Guardian, Spiegel Online, die Süddeutsche, die Zeit und die FAZ. Besser gesagt, es waren fünf. Jetzt habe ich den Guardian aus der Liste gekickt. Nicht, dass das einen besonderen Anlass gehabt hätte – nein, ich habe einfach das Layout nicht mehr ertragen.

Aber der Reihe nach: Vor einiger Zeit hatte Spiegel Online ein kleines layoutmäßiges Update bekommen. Das war nichts großartiges und wurde demnach vielerorts verrissen. Zurecht, denn auch ich empfand es nur als müden Schritt auf einem kaputten Laufband. Doch das macht nichts, denn die Startseite geht zweifelsohne außer Konkurrenz ins Rennen. Überschrift, Teaser, Exzerpt; alles in angenehmer Größe – so muss das aussehen.

Bei der Süddeutschen sieht es weniger toll aus. Viel kleinerer Teaser und alles wirkt gequetscht, nichts atmet. Ähnlich, wenn auch ein bisschen besser, sieht es bei der FAZ aus.

Deutlich besser macht es die ZEIT. Immerhin handelt es sich dabei auch um einen Biene-Preisträger. Die Startseite ist wirklich leicht zu scannen, wobei die eigentliche Stärke von ZEIT.de in der Gestaltung der Artikelseiten liegt.

Kommen wir nun aber zum Guardian. Irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass die Website einen nationalen Preis gewonnen hat. Auf die Startseite kann sich dieser Preis jedenfalls nicht beziehen, es sei denn, es wäre ein Preis für die Website mit der größtmöglichen Informationsdichte – gemessen in Buchstaben pro Pixel!

Es wird tatsächlich kaum Raum verschenkt, was dazu führt, dass man beim ersten Besuch wild durch die Gegend blinzeln muss. Hinzu kommt, dass die vielen Überschriften nicht kontrastreich genug gewichtet sind. Nachdem mein Blick zunächst auf das Logo fällt, irrt er umher und sucht nach Halt. Dabei wurde ja versucht, wenigstens eine der Headlines hervorzuheben. Es misslingt nur grandios.

Twitter.com/krifitze: Ich wünsche mir von guardian.co.uk dass die Headlines in ihrem optischen Gewicht kontrastreicher werden … und ein kleineres Farbspektrum

Außerdem wird diesem kleinen Kontrast sofort vom angrenzenden Teaserbild die Show gestohlen. Wenn das Teaserbild die Nachricht begleiten und unterstreichen würde, könnte man das als positiven Punkt zählen lassen. Nur lesen meine Augen auf der linken Seite etwas vom Irak, während das Teaserbild offensichtlich englische Fußballspieler abbildet. Ich weiß ja nicht, wie es anderen ergeht, aber ich verstehe das Konzept dahinter nicht.

Und so ließen sich aus dieser kleinen Anschauung ein paar Regeln zur Gestaltung von Zeitungs-Hohmpejtschn und anderem Zeug, das es so gibt in diesem Internet, ableiten, jedoch würde ich damit nicht viel Neues sagen. Stattdessen schlage ich einen unkonventionelleren Weg ein und unterstreiche die bisher bekannten Gestaltungsprinzipien, indem ich sie knapp zusammenfasse: Abstand und Kontrast machen, plz!

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